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KI-MIG 2026: Was gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen jetzt wis­sen müssen

Natio­na­les Umset­zungs­ge­setz zur EU-KI-Ver­ord­nung bringt Klar­heit bei Auf­sicht, Pflich­ten und Chancen

Das KI-MIG dient der prak­ti­schen Durch­füh­rung der unmit­tel­bar gel­ten­den KI-Ver­ord­nung auf natio­na­ler Ebe­ne. Es regelt insbesondere: 

Zuständigkeiten von Behörden 

Zustän­dig­kei­ten von Behörden 

Markt­über­wa­chung von KI-Systemen

Buß­geld- und Durchsetzungsverfahren

Maß­nah­men zur Innovationsförderung

Der Ent­wurf setzt auf einen schlan­ken und inno­va­ti­ons­freund­li­chen Ansatz: Bestehen­de Auf­sichts­struk­tu­ren wer­den weit­ge­hend genutzt und durch eine zen­tra­le Koor­di­nie­rungs­stel­le ergänzt. Ziel ist es, die euro­päi­schen Vor­ga­ben büro­kra­tie­arm, kohä­rent und pra­xis­ge­recht umsetzen.

Vier zen­tra­le Aus­wir­kun­gen für gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen 

Für Ver­ei­ne, Stif­tun­gen und sozia­le Trä­ger erge­ben sich aus dem KI-MIG ins­be­son­de­re vier pra­xis­re­le­van­te Themenfelder: 

1. Kla­re natio­na­le Auf­sicht und Zuständigkeiten

Die Bun­des­netz­agen­tur (BNetzA) wird als zen­tra­le Koor­di­nie­rungs­stel­le für die Markt­über­wa­chung benannt (Koor­di­nie­rungs- und Kom­pe­tenz­zen­trum für die KI-Ver­ord­nung – KoKI­VO).2 In sek­tor­spe­zi­fi­schen Berei­chen wie Sozia­les, Bil­dung oder Gesund­heit blei­ben – je nach Zustän­dig­keit – wei­te­re Behör­den auf Bun­des- oder Lan­des­ebe­ne eingebunden. 

Für Orga­ni­sa­tio­nen bedeu­tet das: Künf­tig ist kla­rer erkenn­bar, wel­che Stel­le bei Fra­gen oder Mel­dun­gen zustän­dig ist. Gleich­zei­tig steigt die Bedeu­tung einer kla­ren Ein­ord­nung der eige­nen KI-Nut­zung, ins­be­son­de­re bei Anwen­dun­gen in sen­si­blen Bereichen. 

2. Pflich­ten und Haf­tungs­ri­si­ken beim Ein­satz von KI-Sys­te­men  

Die KI-Ver­ord­nung unter­schei­det KI-Sys­te­me nach Risi­ko­ka­te­go­rien.3 Für gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen sind vor allem Trans­pa­renz- und Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten sowie Anfor­de­run­gen an das Risi­ko­ma­nage­ment bei Hoch­ri­si­ko-KI-Sys­te­menrele­vant, etwa bei der Bewer­tung von Per­so­nen im Kon­text von Bil­dung, Beschäf­ti­gung oder Sozi­al­leis­tun­gen. Die Digi­tal-Omni­bus-Eini­gung ver­schiebt zwar ein­zel­ne Fris­ten für Hoch­ri­si­ko-KI-Sys­te­me, hebt die regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen jedoch nicht auf. 

Ver­stö­ße kön­nen mit erheb­li­chen Buß­gel­dern geahn­det wer­den – auch bei Non-Pro­fit-Orga­ni­sa­tio­nen, sofern sie als Anbie­ter oder Betrei­ber von KI-Sys­te­men auf­tre­ten. Eine früh­zei­ti­ge Bestands­auf­nah­me der ein­ge­setz­ten oder geplan­ten KI-Tools ist daher zen­tral, um Risi­ken zu iden­ti­fi­zie­ren und Com­pli­ance-Lücken recht­zei­tig zu schließen. 

3. Chan­cen durch Inno­va­ti­ons­för­de­rung und KI-Real­la­bo­re  

Das KI-MIG betont aus­drück­lich die För­de­rung von Inno­va­ti­on. Es erleich­tert die Ein­rich­tung und Nut­zung soge­nann­ter KI-Real­la­bo­re (Regu­la­to­ry Sand­bo­xes), in denen neue KI-Anwen­dun­gen unter behörd­li­cher Beglei­tung erprobt wer­den kön­nen – beson­ders auch durch klei­ne­re und gemein­nüt­zi­ge Akteure.

Für Orga­ni­sa­tio­nen des Drit­ten Sek­tors eröff­nen sich dadurch kon­kre­te Per­spek­ti­ven: Pilot­pro­jek­te in Bera­tung, Bil­dung oder Pfle­ge kön­nen ethisch reflek­tiert und nut­zer­ori­en­tiert ent­wi­ckelt wer­den, ohne von Beginn an dem vol­len regu­la­to­ri­schen Risi­ko aus­ge­setzt zu sein. Der Gesetz­ge­ber signa­li­siert damit, dass KI nicht nur regu­liert, son­dern gezielt für die Bewäl­ti­gung gesell­schaft­li­cher Her­aus­for­de­run­gen nutz­bar gemacht wer­den soll. 

4. Schnitt­stel­len zu bestehen­den Pflich­ten und neue Mel­de­we­ge  

Das KI-MIG ver­zahnt die KI-Ver­ord­nung eng mit bestehen­den Regel­wer­ken, ins­be­son­de­re der DSGVO, der NIS-2-Richt­li­nie und wei­te­ren Com­pli­ance-Anfor­de­run­gen. Orga­ni­sa­tio­nen, die bereits Daten­schutz- oder IT-Sicher­heits­pro­zes­se eta­bliert haben, kön­nen hier auf vor­han­de­ne Struk­tu­ren auf­bau­en und Syn­er­gien nutzen. 

Beson­ders rele­vant ist die Ände­rung des Hin­weis­ge­ber­schutz­ge­set­zes: Durch die Ein­fü­gung einer neu­en Num­mer 10 in § 2 Abs. 1 kön­nen Ver­stö­ße gegen Vor­schrif­ten der KI-Ver­ord­nung künf­tig über inter­ne oder exter­ne Hin­weis­ge­ber­ka­nä­le­ge­mel­det wer­den. Dies stärkt Trans­pa­renz und schützt hin­weis­ge­ben­de Personen. 

Für gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen bedeu­tet das: Wer KI-Sys­te­me ein­setzt oder anbie­tet, soll­te prü­fen, ob bestehen­de Com­pli­ance-Struk­tu­ren und Mel­de­stel­len an die­se neue Mel­de­ka­te­go­rie ange­passt wer­den müs­sen. Gleich­zei­tig erhöht sich die Rechts­si­cher­heit für Mit­ar­bei­ten­de und Betroffene. 

Prak­ti­sche Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für Ihre Orga­ni­sa­ti­on 

Um sich früh­zei­tig und struk­tu­riert vor­zu­be­rei­ten, emp­feh­len wir fol­gen­de Schritte: 

Das KI-MIG bringt Struk­tur und Rechts­si­cher­heit in die natio­na­le Umset­zung der KI-Ver­ord­nung. Für gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen bedeu­tet dies einer­seits kla­re Pflich­ten, ande­rer­seits aber auch kon­kre­te Chan­cen durch Inno­va­ti­ons­för­de­rung und pra­xis­na­he Erpro­bungs­mög­lich­kei­ten. Auch wenn ein­zel­ne Fris­ten für Hoch­ri­si­ko-KI-Sys­te­me jüngst ver­scho­ben wur­den, bleibt die stra­te­gi­sche Vor­be­rei­tung auf die KI-Regu­lie­rung zen­tral. Wer sich früh­zei­tig mit den neu­en Anfor­de­run­gen aus­ein­an­der­setzt, mini­miert Risi­ken und kann KI zugleich gezielt und ver­ant­wor­tungs­voll für den gesell­schaft­li­chen Nut­zen einsetzen.

Ger­ne unter­stüt­zen wir Sie indi­vi­du­ell bei einer recht­li­chen Ein­ord­nung der neu­en Vor­ga­ben, bei Erstel­lung oder Anpas­sung inter­ner KI-Richt­li­ni­en und Check­lis­ten sowie ins­be­son­de­re bei der rechts­kon­for­men Ein­rich­tung und Wei­ter­ent­wick­lung von Hin­weis­ge­ber­ka­nä­len nach Maß­ga­be des KI-MIG und der KI Ver­ord­nung. 

Mel­tem Yil­di­rim, LL.M.
Bera­te­rin für Daten­schutz und KI-Recht
+49 (0)69 – 348 731 8816
my@kanzlei-leu.de

  1. Deut­sche Fas­sung der KI-Ver­ord­nung abruf­bar unter: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401689 (letz­ter Abruf am 30. April 2026).  ↩︎
  2. Mehr zur Bun­des­netz­agen­tur und KI-Ser­vice Desk unter: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Digitales/KI/start_ki.html (letz­ter Abruf am 30. April 2026). ↩︎
  3. Zu den Risi­ko­ka­te­go­rien sie­he KI-Com­pli­ance Kom­pass der Bun­des­netz­agen­tur, abruf­bar unter: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Digitales/KI/2_Risiko/kompass/start.html (letz­ter Abruf am 30. April 2026).  ↩︎